ERV vergibt Big Points kläglich

Mighty Dogs zeigen ganz schwachen Auftritt

Ein Drittel zum Vergessen, ein Drittel zum Verzweifeln und ein Drittel, das man sich hätte sparen können. So lässt sich der Auftritt des ERV Schweinfurt gegen den EC Pfaffenhofen in kurzen Worten zusammenfassen. „Pfaffenhofen hat das Eishockey gespielt, das man in dieser Abstiegsrunde, ich nenne sie mal Play-off-Runde, spielen muss, um erfolgreich zu sein“, wies Steffen Reiser, der erneut das Coaching auf der Bank übernommen hatte, auch nach dem Spiel nochmals auf den Endspielcharakter dieser und der kommenden Partien hin. Und auf die Spielweise des ERV bezogen, fand er ebenfalls deutliche Worte: „Das war russisch Roulette!“

Denn nach passablem Beginn mussten die Schweinfurter schnell den 0:1-Rückstand hinnehmen (3.). Und zwar nach exakt einer Situation, die vor der Partie als unbedingt zu vermeiden geschrieben wurde. Denn als sich die erste Reihe der Schweinfurter gerade im gegnerischen Drittel festgesetzt hatte, gelang es nicht die Scheibe im Drittel zu halten. Der damit verbundene Konter offenbarte die Geschwindigkeitsdefizite dieser Reihe schonungslos. Dennoch spielten die Schweinfurter zunächst erhobenen Hauptes weiter und kamen im ersten Powerplay des Spiels gleich zum Ausgleich. Geduldig und präzise ließen sie den Puck im Pfaffenhofener Drittel kreisen, bis Spielertrainer Josef Straka die Lücke zum umjubelten Ausgleich fand (7.). Ärgerlich nur, dass dieser Jubel nur 33 Sekunden währte, weil die Gäste vom Bully weg wieder auf Angriff schalteten und Robert Neubauer mit dem Glück des Tüchtigen den Puck erst an den Pfosten, von dort an den Rücken von ERV-Goalie Kevin Kessler und von dort ins Tor bugsierte. Dieser Treffer zeigte Wirkung und führte bis zum Ende des ersten Drittels fast zu Auflösungserscheinungen beim ERV, der in der Folge fast jedes Körperspiel, Laufbereitschaft und jede Struktur im Spiel vermissen ließ. „Wir haben Geschenke verteilt, weil wir statt der effektiven, die elegante Lösung suchen. Josef (Straka) und Chris (Schadewaldt) hatten vor dem Spiel exakt darauf hingewiesen, worauf es ankommen wird. Einige sind da leider beratungsresistent“, nahm Reiser die sportliche Leitung in Schutz und nahm stattdessen das Team in die Pflicht.

Die angesprochenen Geschenke verteilten Patrik Rypar und Simon Knaup, die es vor dem 1:3 (16.) und dem 1:4 (20.) versäumten die Scheibe einfach tief zu spielen und so die Situation für den Gegner wieder scharf machten. So ging es mit einem 4:1 für Pfaffenhofen in die erste Pause, was bei Gästetrainer Chris Heid für Begeisterung sorgte. „Meine Mannschaft hat da ein wirklich gutes Spiel gemacht. Vier Tore im ersten Drittel, gegen einen so starken Gegner ist der Wahnsinn.“ Wobei der Gegner in diesem Spielabschnitt aber eben alles andere als stark war. Im Mitteldrittel zeigten die Gastgeber dann aber, dass sie es durchaus besser können. Zumindest Laufbereitschaft und Körpersprache waren nun eine ganz andere, was dazu führte, dass die Mighty Dogs in den ersten zehn Minuten des Mitteldrittels massenhaft gute Chancen herausspielten. Leider wurden diese nicht verwertet, weil teils das Glück fehlte, dass man sich im ersten Drittel aber auch nicht verdient hatte, teils weil selbst Routiniers wie Straka und Rypar ungewohnt viele technische Probleme hatten. Das Glück bekannte sich an diesem Abend ganz klar zum tüchtigen Landesligisten, der durch einen doppelt abgefälschten Schuss von der blauen Linie, den ersten im zweiten Drittel, auf 5:1 erhöhte (31.). Ein Tor, das alle Schweinfurter Hoffnungen endgültig beerdigte und dazu führte, dass der Schlussabschnitt eher einem Trainingsspiel glich. Das führte bei einigen Anhängern zu Unverständnis, die sich gerade angesichts des spielfreien Sonntags mehr aufbäumen der Mannschaft gewünscht hätten. „Es war ein gutes Lehrstück wie es nicht geht“, fasste Reiser den Auftritt zusammen. „Ich hoffe es kommt zur rechten Zeit. Ich bin jedenfalls guter Dinge, dass die Mannschaft am kommenden Wochenende wieder ein andres Gesicht zeigen wird.“ Das wird dringend nötig sein, denn dann geht es gegen Ulm und Pegnitz gegen die direkten Verfolger im Kampf um einen der ersten drei Plätze, die pro Gruppe ein Startrecht für die kommende Bayernliga-Saison mit sich bringen.

Während die Saison für den ERV nach dem Auswärtsspiel in Pfaffenhofen am 3. März also in jedem Fall vorbei ist, spielen die bestplatzierten Landesligisten beider Gruppen im Modus best-of-three dann noch den Landesliga-Meister aus – auch wenn dieser dann möglicherweise gar nicht aufsteigt.

ERV Schweinfurt – EC Pfaffenhofen 2:6 (1:4, 1:2, 0:0)

Schweinfurt: Kessler – Faust, Schadewaldt, Köder, Knaup,  A. Kleider, L. Kleider – Straka, Rypar, Kouba, Trolda, Manger, Zajic,, Ledin, Tratz, Rabs, Grüner, Oetel.
Tore: 0:1 (3.) Endreß (Duprey), 1:1 (7.) Straka (Schadewaldt, Kouba 5-4), 1:2 (7.) Neubauer (Gebhardt, Eder), 1:3 (16.) Stähle (Duprey, Endreß), 1:4 (20.) Eder (Neubauer), 1:5 (31.) Felsöci (Oexler), 2:5 (33.) Rypar (Straka, Kouba 4-4), 2:6 (38.) Bauer (Gebhardt). Strafminuten: 8/14. Schiedsrichter: Sintenis (Kaderabek, Feist). Zuschauer: 692.

Quelle: Mainpost

2019-02-03T12:58:30+00:00Sonntag, 3 Februar, 2019|