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Zurück auf dem Boden der Tatsachen

Die Erleichterung nach dem letzten Spiel der Zwischenrunde war spürbar, bei Funktionären, Spielern und Fans: Gottlob ist es jetzt vorbei! Dabei hatten die Mighty Dogs keine wirkliche "Katastrophensaison" hinter sich. Nur eine, in der es nicht gerade berauschend lief, zum Schluss gar nicht mehr. Gründe dafür gab es genug, hausgemachte und unverschuldete, aber Steffen Reiser traf es mit seinem Fazit wohl gut: "Wir sind wieder geerdet worden".

In der Tat waren wir durch die letzten Jahre verwöhnt durch die Erfolgsserie. Seit dem Wiederbeginn in der Landesliga spielten die neuformierten Dogs immer oben mit, hatten auf Anhieb den Aufstieg geschafft und in der Bayernliga dreimal hintereinander das Halbfinale erreicht, im letzten Jahr als Krönung dann die Meisterschaf. Diesen Anspruch - nicht unbedingt die Titelverteidigung - galt es heuer zu verteidigen, und damit tat man sich schwer.

Der erste Bruch schon während der Planung - die Verantwortlichen wollten nicht mehr mit einem Spielertrainer in die neue Saison gehen und "verdonnerten" Sergej Waßmiller dazu, nur noch hinter der Bande aktiv zu sein. Der überraschte alle mit seinem vorher fast undenkbaren Schritt, als Spieler zum Ligarivalen Selb zu wechseln. Seine Nachfolge blieb nicht lange ungeregelt, denn man entschied sich für eine interne Lösung und trug dem neuen Nachwuchs-Coach Horst Forster auch die Verantwortung für die 1. Mannschaft an. "Wir waren uns bewußt, daß Horst nicht viel Erfahrung mit höherklassigen Teams mitbringt", sollte Reiser im Nachhinein über den Trainer sagen, der zuletzt beim Bezirksligisten ESV Würzburg tätig gewesen war, "aber der Kader verfügte über eine ganze Reihe sehr routinierter Leute".

Dieser Kader baute sich auch nach und nach zusammen. Die Abgänge Waßmiller und Bovenschen wurden mit Markus Koch, dem jungen Jens Feuerfeil und dem Rückkehrer Fritz Geuder ersetzt. Der große Schock kam in der Vorbereitung, als sich Roman Nikitin beim Fußballspielen einen Riss der Achillessehne zuzog und deshalb für Monate ausfiel; mit Thomas Richter und Dan Heilman wurde schon vor Rundenstart nachgelegt, auch weil für Bene Waldner ein Kreuzbandriss das Aus für diese Saison bedeutete. Das Verletzungspech blieb den Mighty Dogs indessen treu. Kaum ein Spiel in der Hinrunde, in dem vollzählig angetreten werden konnte. Grippe, Rippenbruch, Infektionen, Rückenprobleme - alles aufzuzählen, wäre müßig. Ausgerechnet traf es Nikitin-Ersatz Dan Heilman auch, der wochenlang unter Schmerzen spielte, dann ebenfalls längere Zeit pausieren musste.

Unter diesen Umständen schlug sich der ERV nicht übel. 5 Siege aus den ersten 6 Partien wurden nur etwas überschattet von fahrlässig liegengelassenen Punkten in Dingolfing; mit einer Rumpftruppe gelang es, dem damaligen Tabellenführer Miesbach die erste Heimniederlage beizubringen. Aber die Ergebnisse wurden durchwachsener, Licht und Schatten wechselten sich mehr und mehr ab: So folgte beispielsweise einem überaus deutlichen 10:2 über Waldkraiburg ein unnötiges 6:8 gegen Dorfen, einem hervorragenden Auftritt in Bayreuth ein schwacher in Pfaffenhofen. Am Ende wurde es noch einmal spannend, als es tatsächlich in Regensburg zum Showdown kam, zum direkten Duell um den Einzug in die Aufstiegsrunde. Der finale Kampf fand dann im letzten Drittel doch nicht mehr statt: Miesbach lag parallel gegen den dritten Mitkandidaten Peißenberg beruhigend in Führung und beendete das Match auch vor dem in der Donau-Arena. So riskierten weder ERV noch EVR mehr viel beim bestehenden Remis, das beide Teams weiterbrachte.

Regensburg gewann und ließ den Schweinfurtern mit ihrem einen Zähler den achten Platz, der schließlich genügte. Hatte man gedacht. Denn das Schicksal wollte es erst anders, überlegte sich sein Tun aber und trat wieder einen Schritt zurück: Das Hickhack um den Einsatz eines anscheinend nicht spielberechtigten Höchstadter Verteidigers und die damit zusammenhängende Spielwertung ausgerechnet gegen Peißenberg nahm erst dramatische, dann auch komödienhafte Züge an. Dies alles nachzuvollziehen, sprengt bei weitem den Rahmen dieser Zusammenfassung; im Detail nachzulesen ist die Abfolge der Ereignisse im Anhang.

Diese Turbulenzen in Kombination mit der da noch offenen Frage, ob der Schweinfurter Icedome im Sommer vor der Schließung stehe, beschäftigten hauptsächlich die Verantwortlichen stark, hinterließen aber auch Spuren bei der Mannschaft. Denn die so heiß begehrte Zwischenrunde entwickelte sich zum reinen Debakel. Schon nach den ersten 3 Spielen - die allesamt gnadenlos verloren gingen - war die Luft vollends raus. Doch das hatte sich vorher schon abgezeichnet: Es war heuer keine Schweinfurter Mannschaft, die den unbedingten Willen zum Erfolg erkennen ließ. Zu oft ergaben sich die Dogs bei Rückstand in ihr Schicksal und ließen meist früh die Köpfe hängen; es fehlte ein Führungsspieler, der auf dem Eis die anderen mitreißen konnte. Roman Nikitin und Dan Heilman (der sich großen Respekt verdiente, in dem er so kurz nach seiner Bandscheiben-Operation nochmal alles tat, um dem Team zu helfen) waren nach ihren jeweiligen Comebacks längst noch nicht wieder die alten gewesen, ein Beppi Eckmair machte seinem Frust in unnötigen Strafen und Sperren Luft, ein Marcel Juhasz erschöpfte sich zunehmend in Einzelaktionen.

Danach waren natürlich Überlegungen müßig, ob in der Abstiegsrunde noch einmal ein anderer Zug ins Team gekommen wäre. Trainer Horst Forster hatte, auch wegen massiver Anfeindung seitens einzelner Fans, bereits 3 Spiele vor dem Ende seinen Hut genommen. Nicht nur in Bezug auf diese personelle Entscheidung gab Steffen Reiser nachher zu, manche Dinge vor der Saison unterschätzt zu haben. So blieb der erwartete Zuschauerzuspruch in der Zwischenrunde aus, was auch den Spielen vorher zu verdanken war - zu selten waren begeisternde Auftritte der Mighty Dogs im Icedome zu sehen gewesen. Aufsteiger wie Regensburg und Bayreuth spielten nun die Rolle, die der ERV vor einigen Jahren eingenommen hatte. Der tat heuer einen Schritt zurück ins Mittelmaß der Bayernliga; als positiven Effekt kann man vielleicht verbuchen, daß die zu hohen Erwartungen an die Mannschaft im Hinblick auf die nächste Spielzeit deutlich zurückgeschraubt wurden. Das gilt für Spieler, Funktionäre und Anhänger der Dogs: Nach all den Höhenflügen sind wir wieder auf dem Boden angelangt.